Chronik

Chronik der Kindertagespflege in Stadt und Landkreis Holzminden

 

Anfang Juni 1973

Aufruf in der Zeitschrift "Brigitte": "Tagesmütter in Deutschland nötig". Aufruf im Täglichen Anzeiger: "Interessengruppe Tagesmütter: Wer macht mit in Holzminden?" Keine Meldung!!! Ratsfrau Edda Contenius beginnt "Überzeugungsarbeit" in Bonn, dann bei Rat und Verwaltung der Stadt.

 

April bis November 1974

Bonn gibt grünes Licht für die Stadt Holzminden als Modellschwerpunkt. Aufruf im Täglichen Anzeiger: Tagesmütter gesucht und gefunden (eine davon ist Cathrin Friedrich). Das 1. Seminar für 15 Tagesmütter und 2 Springerinnen mit 2 pädagogischen Fachberaterinnen (u.a. Margrit Kempa) und 2 Mitarbeiterinnen des Deutschen Jugendinstituts startet.

 

Mai 1976

"Kinderbetreuung Holzminden e. V." wird gegründet. Vorsitzende: Hella Nolte. Es geht um Lobbyarbeit für die Kindertagespflege und ganz besonders um Familienaktivitäten.

 

Herbst 1977

Modellende - der Verein übernimmt im Auftrag des Jugendamts der Stadt Holzminden die Vermittlung, Beratung  und Betreuung der Tagesmütter bis heute.

 

1977-1992

Cathrin Friedrichs und Karin Henze fungieren 15 Jahre lang als ehrenamtliche Beraterinnen. Sprechzeit mittwochs von 10:00 - 12:00 Uhr im "Ei" in der Bismarckstr. 14. 14-tägige Gruppenabende, Fortbildung, Supervision und ständige Gesprächsbereitschaft...

 

Ab 1992

Nachdem Cathrin Friedrichs ein Studium begonnen hat, besteht das Betreuungsteam fortan aus: Karin Henze, Karen Demann (damals noch Demann-Menz) und Ursula Surburg. Die zweite Tagesmüttergruppe Holzmindens wird gegründet.

 

Seit Mai 2000

arbeitet der Verein Kinderbetreuung Holzminden e.V. auch für den Landkreis Holzminden. Aufbau von TM- Gruppen in Bodenwerder, Eschershausen, Stadtoldendorf und zuletzt auch Boffzen. Geringfügige Anstellung der drei Teammitglieder.

 

Mai 2002

Es gibt Fördermittel durch das EU-Projekt "Equal". Die KiBA (Kinderbetreuungsagentur) wird durch Karen Demann aufgebaut, die als erste Vereins-Mitarbeiterin festangestellt werden kann. Gundula Harlis ergänzt das Team als geringfügig Angestellte

 

2004

Fünf TM-Gruppen mit insgesamt 60 Frauen werden von den Mitarbeiterinnen qualifiziert und regelmäßig betreut.

Juli: Umzug vom Pavillon Bismarckstraße zum Pavillon in der Sollingstraße. Carola Machinek kümmert sich ab jetzt um die Verwaltung.  Im November: 30-Jahr-Feier der Kindertagespflege in Holzminden in der Stadthalle Holzminden.

 

2005

Zum 1. Januar 2005 tritt das „Tagesbetreuungsausbaugesetz“ in Kraft (TAG). Nach dem Pisa-Schock in Deutschland wird die Förderung unserer Kinder noch größer geschrieben. Tagesmütter sollen qualifiziert werden.

20 Tagesmütter aus HOL erarbeiten sich das Zertifikat des Bundesverbands mit den ersten TPP (Tagespflegepersonen) aus der BRD. Im Februar verabschieden wir schweren Herzens die langjährige Mitarbeiterin und Verfechterin des Vereins, Frau Karin Henze.

 

2006

wurden die ersten Pflegeerlaubnisse für Tagesmütter beantragt.

Zudem wird eine Kooperation mit der KVHS eingegangen, die die Auslagerung der Grundqualifizierung der Tagesmütter und-väter zum Inhalt hat.

Im Oktober bekommt Karin Henze das Bundesverdienstkreuz durch den Bundespräsidenten, Herrn Horst Köhler, in Berlin ausgehändigt.

 

2007

Im Februar überbringt die damalige Sozialministerin, Frau Ross-Luttmann, den Förderbescheid für die flächendeckende Kinderbetreuung von U-3-Kindern zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Dies führt zur Eröffnung des 1.!!! Kinder- und Familienservicebüros Niedersachsens in den Räumen des Vereins.

Die ersten Kooperationsverträge mit Gemeinden und weiteren Trägern im Landkreis werden abgeschlossen.

Zur Bewältigung der vielfältigen Aufgaben wird die Sozialpädagogin Frau Dörthe Oppermann angestellt.

 

2008

Die Kindertagespflege bewegt sich zum professionellen Berufsbild einer Tagespflegeperson. 2008 haben die Tagesmütter ca. 200.000 Betreuungsstunden im Landkreis Holzminden geleistet!

Das neue KinderFörderungsGesetz (KiFöG) und das Niedersächsische Ausführungsgesetz machen Kindertagespflege in anderen geeigneten Räumen möglich und bereitet den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab einem Jahr vor, das 2013 umgesetzt werden soll.

 

Seit 2009

müssen alle TPP ihren Verdienst versteuern. Die nebenberufliche Selbständigkeit verunsichert viele, was einige Tagesmütter auch zum Ausstieg zwingt. Die Einführung der Rentenversicherungspflicht ab einem Verdienst von 400,-€ gibt Anlass zur Freude.

In dem Vereins-Projekt: „Kindertagespflege 2013“ wird ein Gesamtkonzept erarbeitet, das sich mit Themen wie Urlaubsanspruch, Vertretungsregelung, Geschwisterermäßigung u.a. befasst. Die Überlegungen münden in den Richtlinien der kommunalen Kindertagespflege.

In Stadtoldendorf eröffnet ein eigenständiges Familien- und Kinderservicebüro, deren Mitarbeiterin eng mit dem FKSB Holzminden zusammenarbeitet.

Einige Tagesmütter schließen sich zusammen und gründen die ersten Tagespflegenester (sogenannte Großtagespflegestellen) in anderen geeigneten Räumen als den eigenen. Das „Kuckucksnest“ in Heyen ist eine der ersten GTP Niedersachsens. Leider war es zu dem Zeitpunkt noch nicht möglich, Fördergelder für Umbau und Erstausstattung zu beantragen, was aber die engagierten Tagesmütter vor Ort nicht gebremst hat.

Das Projekt „Erziehungslotsen“ startet mit 14 Frauen.

 

2010

Es erfolgt die Erarbeitung eines verlässlichen Vertretungskonzepts für die KTP im Landkreis Holzminden.

Die 14-tägige Wanderausstellung: „Chancen durch Kindertagespflege“ endet mit einem herrlichen Sommerfest.

Zwei weitere Tagespflegenester nehmen ihren Betrieb auf.

Nach fast 20 Jahren beendet Ursula Surburg ihre Tätigkeit im Verein. Dafür kommt Corinna Reiling neu hinzu.

Viele Krabbelgruppen-Kinder beleben die Vereinsräume.

 

2012

Ein erneuter Mitarbeiterinnenwechsel: Corinna Reiling tritt eine neue Arbeitsstelle an, dafür ergänzt Mariola Zenunaj das Team.

Umbau und Eröffnung des Tagespflegenestes “Rasselbande“ in den Vereinsräumen.

 

2013

Zum 01.01.2013 Anhebung der Tagespflegesätze für TPP von 3,10 € auf 4,- €.

Vom 1. August 2013 an gilt der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab 1 Jahr.

Gleichzeitig werden Elternbeiträge sozial gerechter gestaffelt.

Die Profile von TPP werden auf unserer Homepage veröffentlicht.

In den neun Tagespflegenestern des Landkreises werden insgesamt fast 70 Kinder betreut.

 

2014

Aus der Richtlinie für Kindertagespflege im Landkreis Holzminden wird eine neue Satzung erarbeitet. In diesem Zuge werden manche Standards neu formuliert. Erfreulich ist besonders, dass die Neuregelung der Elternbeiträge, die jetzt den Beiträgen für institutionelle Betreuung angeglichen sind, zu einem deutlichen Anstieg der Nachfrage nach Plätzen in der KTP führt. Nun haben Eltern auch monetär die Wahlfreiheit, ob sie ihr Kind bei einer Tagesmutter oder in der Krippe betreuen lassen wollen.

Unsere Mitarbeiterin Gundula Harlis verabschiedet sich im April 2014 in den Ruhestand. Mariola Zenunaj stockt auf und ist nun festangestellt.

 

2015

Eine intensivierte Zusammenarbeit beider FKSBs wird mit neuer Kooperationsvereinbarung besiegelt. Dörthe Oppermann wird für 6 Std/Woche nach Stadtoldendorf delegiert um in der Kindertagespflege gleiche Bedingungen in allen Teilen des Landkreises zu gewährleisten und Vertretung zu ermöglichen.

Das Thema Lebensmittelhygienevorschriften für TPP aufgrund der Verordnung (EG) Nr. 852/2004 des europäischen Parlaments, das auch in Deutschland nun TPP, die Essen an Kinder ausgeben, zu "Lebensmittelunternehmern" macht, verunsichert alle. Eine Registrierungspflicht der Großtagespflegestellen beim Veterinärsamt bringt die Vergleichbarkeit zu Krippen und Sicherheit durch Kontrolle der hygienischen Verhältnisse mit sich. Von den ca. 60 aktiven Tagesmüttern und -vätern sind 18 in Großtagespflegestellen tätig.

Kindertagespflegeplätze werden nach wie vor geschätzt und gebucht, obwohl es nun im Kreis Holzminden auch viele Krippenplätze gibt; mancherorts sind alle KTP-Plätze vergeben.

 

2016

Die im Jahr 2014 verkündete Landkreis-Satzung Kindertagespflege wird erneut bearbeitet. Die Bezahlung von Vertretungsstunden wird von 4,- € auf 6,- € angehoben. Zudem ist jetzt sichergestellt, dass die Teilnehmerbeiträge für eine Tagesmutterqualifizierung trotz weggebrochener EU-Förderung auf weiterhin 150,- € festgelegt und bei späterer Mitarbeit als Tagesmutter oder -vater im Kreis auch zurückerstattet werden können.

Dass der 40. Geburtstag des Vereins Kinderbetreuung Holzmindene.V. zusammen mit den anderen sozialpädagogoischen wirkenden Nachbarn Hort, Drehscheibe, Jugendzentrum und weiteren Institutionen als "Interkulturelles Sommerfest" bei bestem Wetter und mit vielen Gästen gefeiert werden kann, ist  für alle Vereinsaktiven eine große Freude.

 

2017

Das FKSB Stadtoldendorf wird aufgelöst und die KTP-Zuständigkeit für diesen Bereich des Landkreises wieder an den Verein Kinderbetreuung zurückgegeben. Nun ist der Verein wieder für die Vermittlung, Beratung, Qualifizierung und Begleitung aller öffentlich geförderten Tagespflegeverhältnisse im Landkreis zuständig. 

Erste Tagesmütter des Landkreises Holzminden stellen Anträge auf Landes- und Bundesfördermittel für den Ausbau von Betreuungsplätzen in KTP. "Neue" TPP können somit die Vorbereitung und Ausstattung der zukünftigen Betreuungsräume finanziell fördern lassen, wenn sie such verpflichten, für zumindest 5 bzw. 7 Jahre in den Räumen als TPP tätig zu sein.

Die Akquise von neuen Betreuungskräften wird immer schwieriger. Der allerorts in Deutschland erkennbare "Fachkräftemangel" zeigt sich auch in der Kindertagespflege.

Intensive Bemühungen des Teams und des Vorstands, die Konditionen für TPP zu verbessern und damit den "Beruf Tagesmutter" attraktiver zu machen, führten zu Planungen des Landkreises Holzminden, die Satzung noch einmal gründlich zu überarbeiten....

 

2018

Zum 01.10.2018 wird eine neue Satzung für die Kindertagespflege in Landkreis Holzminden bahnbrechenden Änderungen verkündet. Die Bezahlung für eine Stunde Betreuung durch eine TPP, die eine 160-U-Std-Qualifizierung vorweisen kann, wird nun auf 5,- € festgelegt, was eine Steigerung von 25% ausmacht. TPP mit 300-Std-Qualifizierung werden nun mit 5,30 € und TPP mit 560-Std-Qualifizierung bzw. pädagogischer Ausbildung mit 5,50 € Stundensatz honoriert. Diese beträchtliche Steigerung des Verdienstes drückt die Wertschätzung der Verwaltung und der Politik der Leistung der TPP gegenüber aus und trägt erstmalig auch dem Umstand Rechnung, dass Verfügungszeiten (Vor-und-Nachbereitung der Arbeit) mit im Stundensatz einberechnet werden müssen. 

Zudem trägt die nach Qualifizierung gestaffelte Bezahlung den Bemühungen der Fachwelt Rechnung, die Weiterqualifizierung der Tagesmütter und -väter auch in finanzieller Hinsicht zu fördern.

Weitere Änderungen der Satzung zielen darauf hin, die Unwägbarkeiten, die die berufliche Selbständigkeit der TPP mit sich bringen, abzufedern bzw. zu erleichtern. Ein Beispiel ist, dass die Kündigungsfrist und die daran gekoppelte Zahlung von Tagespflegegeld, nun von zwei auf vier Wochen angehoben wurde. Dies bringt bessere Planbarkeit und kontinuierlichere Auslastung im "Kindertagespflegeunternehmen" mit sich.

Die Elternbeiträge bleiben nach wie vor sozial gestaffelt und vergleichbar mit den Beiträgen, die für die Betreuung in Krippe oder Kita zu zahlen wären.